Bernd Arnold: Macht und Ritual

Bernd Arnold: Macht und Ritual
Macht und Ritual ist ein Zyklus aus 77 Bildern, die Bernd Arnold aus einer Vielzahl von Aufnahmen aus den Jahren 1986 bis 2004 schließlich zu einem komplexen Gesamtwerk vereint hat. Sein Blick ist auch sich selbst gegenüber bei aller Schärfe geduldig, bedenkt man einen Zeitraum von immerhin 18 Jahren, um dieses Pandämonium auf eine Konzentration zu bringen, bei der uns die Gesten von Macht in allen erdenklichen Facetten erscheinen. Denn auch die Themen, die sozialen Räume, die geschlossenen Gesellschaften und Ereignisse mussten sich finden, mussten sich zum richtigen Zeitpunkt beobachten lassen, um sich schließlich in dieser Form zu verdichten. Macht hat immer eine Aura, ob man nun will oder nicht, sie hat Unwiderstehlichkeit. Ihre Gesten und Rituale färben soziale Zusammenhänge, lassen Eindrücke entstehen und schaffen im Zweifel Wirklichkeiten. Diesem Zweifel ist Bernd Arnold in seinen Fotografien auf der Spur.
Man möchte den Zyklus Macht und Ritual in seiner vorliegenden Form eigentlich gar nicht mehr in Einzelteile auflösen. Dennoch ist bemerkenswert, welche gesellschaftlichen Bereiche sich Bernd Arnold im Laufe der Zeit gewidmet hat: Zunächst die Halbwelt in seiner Arbeit „Eine Nacht im Milieu“. Sie ist immer anwesend, verbirgt sich aber doch den Blicken des Bürgers und öffnet ihre Tore erst dann, wenn dieser längst im Bett liegt. Hier ist das Thema des Eros auch bildhaft geworden. Die Tore der Kirche hingegen sind, zumindest potentiell, immer geöffnet. Das liegt in ihrem eigenen Interesse. In einer katholischen Hochburg wie Köln und im Schatten ihrer Domtürme ist „Das Kölner Heil“ all gegenwärtig. Das Kölner Heil und das Milieu verband Bernd Arnold zum ersten Mal in dem Portfolio „Sakrament & Sünde“. Trotz dieser provokanten Kombination erschöpft sich sein Gehalt keineswegs an der Oberfläche, sondern lässt beides wie zwei Seiten einer Welt erscheinen, beide freilich suspekt. Mit der gleichen Eindringlichkeit wendet sich Bernd Arnold der Politik in den „Wahlkampfritualen“ und der Weltwirtschaft im „Gipfel“ zu, um den Kreis der Inszenierungen in Systemen mit „Ist die Welt eine Mattscheibe?“, der Fernsehwelt, zu schließen. Diese fünf Bereiche unserer sozialen Wirklichkeit sind so unterschiedlich nicht, ist doch an den Fotografien von Bernd Arnold ablesbar, dass sie sich in ihren Codierungen und Ästhetik ähneln.Franz van der Grinten ( zur Ausstellung im Stadtmuseum Köln 2006)
Aus dem Zyklus "Macht und Ritual" 1986-2004
Zu sagen, die klassische, die analoge Fotografie registriere die Oberfläche einer sichtbaren Welt mit staunenswerter Präzision, ist physikalisch sicher richtig. Markiert aber wohl kaum die Grenzen einer Kamerakunst, deren Anspruch darin besteht, sozusagen "hinter die Kulissen" zu blicken. Genau dies ist das Anliegen des Kölner Fotografen Bernd Arnold, der sich besonders jener Bereiche annimmt, wo das bewusste Schauspiel, das dezidierte Auffahren einer Maske gewissermaßen zur "Conditio sine qua non" gehört. Galt sein anfängliches Interesse den Riten und Ritualen der katholischen Kirche, so hat Arnold seinen Radius zügig auf die Bereiche Politik und Medien erweitert und - in Gestalt einer ebenso intelligenten wie atmosphärisch dichten Schwarzweißfotografie - gezeigt, wie kritischer Dokumentarismus heute aussehen könnte.
Michael Koetzle (im Rahmen seiner kuratierten Ausstellung "24x36")